Sonntag, 28. September 2008

Sprachliche Scheußlichkeiten - Folge 1

Ich bin ein Gebäckstück

Heute geht es wieder einmal um eine (mir) unangenehme Veränderung im deutschen Sprachgebrauch, die sich durch Fehlübersetzungen aus dem Englischen einzubürgern droht: Die Verwendung des unbestimmten Artikels in Kombination mit einer Berufs- oder Herkunftsbezeichnung.

Warum sagt jemand beispielsweise von sich, er wäre „ein Student“ - als Hinweis darauf, dass es sich bei ihm lediglich um eine, nicht etwa um zwei oder drei Personen handelt?

Anders liegt der Fall natürlich, wenn die Herkunfts- oder Berufsbezeichnung beispielsweise durch ein Adjektiv ergänzt wird: ein sehr guter Lehrer, eine engagierte Politikerin, ein überzeugter Bayer usw.

Allerdings handelt es sich um einen Fehler, der Nichtmuttersprachlern leicht unterlaufen kann und zudem häufig lustige Formulierungen zur Folge hat:

Da outen sich Menschen mitunter als

- Gebäckstücke („Ich bin ein Berliner“) oder

- Verhütungsmittel (ich habe tatsächlich einmal einen französischen Austauschstudenten kennengelernt, der von sich sagte, er sei „ein Pariser“).

Auch Fast-Food-Gerichte wären denkbar: Den Ausspruch „Ich bin ein Hamburger“ habe ich bisher zwar noch nicht gehört, kann ihn mir aber beispielsweise anlässlich des Besuchs eines Präsidentschaftskandidaten in der Hansestadt durchaus vorstellen.

Montag, 22. September 2008

Translatorische Tücken, Folge 2: Auflösung

...die Lösung lautet: central London.

Mittwoch, 10. September 2008

Translatorische Tücken - Folge 2






Heute mal wieder lustiges Rätselraten, diesmal zu einem Plakat, das wirklich einmal im Flughafen Stansted hing: Wer kann sich denken, was Ausgangspunkt der Übersetzung "vordergründig London" im Englischen war?


Für alle, denen die Schrift zu klein ist: Rechts neben der (verkehrt dargestellten) deutschen Flagge steht Folgendes:

"Die schnellstens Weise zur hauptsächlich Hotel und Herberge Flächen über vordergründig London."


Sonntag, 7. September 2008

Keine Kontrolle

Den Anstoß zu meinem heutigen Beitrag gab der folgende Ende August im Radio gehörte Satz:

„Um die Prostitution zu kontrollieren, errichteten sie Soldatenbordelle.“

Ich möchte nicht auf den pikanten Inhalt eingehen, sondern auf das Wort „kontrollieren“, dessen Verwendung im Deutschen – wiederum vermutlich aufgrund von Fehlübersetzungen – in der jüngeren Vergangenheit eine unschöne Wandlung durchgemacht hat.

Das Substantiv „Kontrolle“ kann im Deutschen außer dem „Kontrollieren“ ja durchaus, etwa in Zusammensetzungen wie „die Kontrolle über etwas haben“, mit der Bedeutung „beherrschen“ verwendet werden. Die Bandbreite der Bedeutungen ist also ähnlich wie im Englischen.

Die Bedeutung des Verbs „kontrollieren“ ist dagegen deutlich enger gefasst: Während „kontrollieren“ bedeutet, etwas zu „überprüfen“ (zum Beispiel Fahrkarten), wird mit dem englischen „to control“ neben „überprüfen“, „beherrschen“, „etwas unter Kontrolle bekommen“ (was im obigen Satz deutlich besser gepasst hätte) oder „die Kontrolle haben über…“ sehr häufig auch ganz aktives „Steuern“ bezeichnet. Man denke nur an die Fernbedienung, die „remote control“: Mit dieser will man ja nicht überprüfen (kontrollieren), sondern bestimmen, welches Fernsehprogramm laufen soll.

Ob das jedoch zum erhofften Fernsehgenuss führt, darüber haben wir auch bei korrekter Ausdrucksweise wohl auch künftig leider keine Kontrolle. :)