In Bezug auf das Wörtchen „für“ hat sich eine Reihe merkwürdiger Verwendungen in den deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen, die vermutlich größtenteils auf nachlässige Übersetzungen aus dem Englischen zurückzuführen sind.
So höre ich zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oft die Durchsage: „Für Fragen und Informationen steht Ihnen unser Personal gern zur Verfügung.“
Ich bin ziemlich sicher, dass sich Fahrgäste selten mit dem Wunsch an das Personal wenden, von diesem befragt zu werden. Vielmehr wollen sie in den meisten Fällen doch wahrscheinlich selbst eine Frage stellen. Sagt man einfach „bei“, haut es wieder hin, allerdings passt das dann nicht zu „Informationen“. Ich gebe zu, dass „Wenn Sie Informationen wünschen oder Fragen haben“ ein wenig sperriger ist, zumindest in meinen Ohren klingt es dafür aber auch wesentlich angenehmer.
(Hinweis: Zur Verdeutlichung kann man „Fragen“ durch „Probleme“ oder Ähnliches ersetzen)
Unschön ist auch die weit verbreitete Verwendung von „für“, wenn eigentlich „wegen“ gemeint ist. So lautete vor ein paar Wochen eine Überschrift in einer Zeitschrift: „Die Frau, die Keanu Reeves für ein (…)-Interview warten ließ.“ Ruft man sich nun die Werbung über jene armen Zeitgenossen in Erinnerung, die meilenweit
für eine bestimmte Zigarettenmarke liefen (also um diese zu ergattern), dann merkt man auch, was hier nicht stimmt: Die Frau muss Keanu nicht warten lassen, um ein Interview geben zu dürfen, sondern sie lässt ihn (vermutlich völlig freiwillig) warten, weil sie ein Interview gibt – also
wegen eines Interviews. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Auch die Aussage, ein Mann werde seine Frau
für seine neue Liebe verlassen, mutet für meine Begriffe merkwürdig an. Es klingt so bedenklich nach „das tue ich nur für dich!“, dabei ist doch zu vermuten, dass das Handeln des Liebenden nicht völlig uneigennützig ist.
Vorausgesetzt also, es handelt sich nicht um einen reinen Gefallen, den der Betreffende seiner neuen Angebeteten tut, wäre hier „deinetwegen“ schon die etwas bessere Wahl, da es den
Grund des Handelns signalisiert.
Ich persönlich (wäre ich die angesprochene Nachfolgerin) würde „Ich verlasse Maxima, um mit Dir zusammen sein zu können“ oder „…weil ich mit Dir zusammen sein möchte“, wesentlich lieber hören als ein „Ich verlasse Maxima für dich“.
Wer einen solch einschneidenden Schritt wagen will, der wäre gut beraten (auch im Hinblick auf das künftige Glück mit seiner möglicherweise sprachlich peniblen neuen Liebe), den Beiklang von „Na gut, ich tu’s, aber nur dir zuliebe“ der letzten Variante zu vermeiden – auch wenn es ihn ein paar Worte mehr kostet.