Sonntag, 31. August 2008

Wunderliche Wörter, Folge 1 - Auflösung

Das Rätsel wurde gelöst, zumindest indirekt: Es wurde zwar nicht die Sprache an sich erraten, aber immerhin der Ort, an dem das Schild steht: Wales. Gesucht war also Walisisch oder auch "Cymraeg", eine keltische Sprache, die noch von vielen Bewohnern dieses Landesteils gesprochen und dort auch als Schulsprache gelehrt wird.

Ein herzliches „diolch“ an die Mitrater!

Sonntag, 24. August 2008

Wunderliche Wörter - Folge 1

Heute mal wieder ein kleines Rätsel:
Wer kann, ohne das Internet zu befragen, erraten,
in welcher Sprache das obige Schild beschriftet ist?

Sonntag, 17. August 2008

Viel zu viel zu!

Zu den vielen Konstruktionen und Begriffen, die in den deutschen Medien zunehmend hässliche Verbreitung finden, gehört die Präposition „zu“ in Verbindung mit „willkommen“. Fast täglich hört und liest man „willkommen zu …“ – statt „willkommen in …“, „willkommen bei …“ oder einfach nur „Herzlich willkommen!“

Wie beim Wörtchen „für“ (siehe Blog-Beitrag vom 04.08.) sind auch hier wohl schlechte (d.h. zu wortgetreue) Übersetzungen aus dem Englischen die Ursache: „welcome to“ wurde wörtlich ins Deutsche übersetzt – ein bisschen zu wörtlich. Vielleicht, weil der Übersetzende zu faul war, sich für die Fälle eine elegante Lösung auszudenken, in denen die beiden zur Verfügung stehenden Präpositionen nicht perfekt passen. Oder weil ihm durch das „Kleben“ am Ausgangstext das Gespür für die deutsche Sprache abhanden gekommen war.
Denn „willkommen zu“ nicht nur hässlich, sondern auch falsch. Auch im Duden taucht „zu“ als Präposition in Verbindung mit „willkommen“ nicht auf:

Das Adjektiv willkommen wird vom folgenden Verb getrennt geschrieben: jemandem willkommen sein; jemanden willkommen heißen. In Begrüßungsformeln schreibt man willkommen klein, da es sich um das Adjektiv handelt: Herzlich willkommen in Deutschland! Seien Sie willkommen bei uns! Das Substantiv Willkommen wird gewöhnlich mit neutralem, selten mit maskulinem Genus gebraucht: Er rief ihnen ein herzliches Willkommen (selten: einen herzlichen Willkommen) zu.
(Zitat aus „Duden 9 – Richtiges und gutes Deutsch, Mannheim 2005.)

Fazit: So unentbehrlich das kleine Wörtchen „zu“ im Deutschen ist – nach „willkommen“ hat es nichts zu suchen.

Donnerstag, 14. August 2008

Kompetente Kollegen - Folge 1: Die Schreibamme

Der erste Kollegenbeitrag stammt von Stephan Rau, der als Sprecher, Texter und Textcoach arbeitet und hier von seiner Arbeit berichtet.


Was macht eigentlich eine Schreibamme?

Gebären soll ja recht schweißtreibend und mitunter schmerzhaft sein. Habe ich mir sagen lassen. Genau weiß ich das nicht. Ich bin ein Mann.
Was ich aber weiß: Textgeburten können schweißtreibend und mitunter schmerzhaft sein. Stunden-, tage, wochenlanges Sitzen vor leerem Monitor und weißem Papier. Der Bleistift zerkaut, der Kopf zergrübelt.
Nun müssen Frauen ihre Babys zum Glück ja nicht alleine auf die Welt bringen. Eine Habamme hilft, kennt alle Phasen der Geburt, sagt, wann zu drücken und wann zu atmen ist und spricht ermutigende Worte.
Genau das macht auch eine Schreibamme! Nur eben bei Textgeburten. Die Sprache verweigert sich und lungert trotzig in der Ecke? Die Ideen sind irgendwo versteckt, bloß wo? Kein Problem! Einfach eine Schreibamme holen. Die kommt mit Kreativtechniken, kennt alle Phasen der Textgeburt, hilft bei Recherche und Materialsammlung, inspiriert, interviewt und gibt Denkanstöße. Sie berät, was den Textaufbau betrifft, strukturiert und argumentiert und kennt sich in Stilfragen aus. Da fängt die Sprache an zu feiern, und die Ideen kommen angerannt. Schreiben kann so schön sein!
Also: Bei der nächsten Textgeburt – die Schreibamme rufen…
PS: Dabei fällt mir ein: Was ist eigentlich die männliche Form von „Amme“? Ein Ammer?


www.xing.com/profile/Stephan_Rau2
Web: www.stephanrau.de

Montag, 11. August 2008

Welches dieser Dinge ist nicht wie die anderen?

(Foto von Horst Hühn)


Montag, 4. August 2008

Für und wider für

In Bezug auf das Wörtchen „für“ hat sich eine Reihe merkwürdiger Verwendungen in den deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen, die vermutlich größtenteils auf nachlässige Übersetzungen aus dem Englischen zurückzuführen sind.

So höre ich zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oft die Durchsage: „Für Fragen und Informationen steht Ihnen unser Personal gern zur Verfügung.“
Ich bin ziemlich sicher, dass sich Fahrgäste selten mit dem Wunsch an das Personal wenden, von diesem befragt zu werden. Vielmehr wollen sie in den meisten Fällen doch wahrscheinlich selbst eine Frage stellen. Sagt man einfach „bei“, haut es wieder hin, allerdings passt das dann nicht zu „Informationen“. Ich gebe zu, dass „Wenn Sie Informationen wünschen oder Fragen haben“ ein wenig sperriger ist, zumindest in meinen Ohren klingt es dafür aber auch wesentlich angenehmer.
(Hinweis: Zur Verdeutlichung kann man „Fragen“ durch „Probleme“ oder Ähnliches ersetzen)

Unschön ist auch die weit verbreitete Verwendung von „für“, wenn eigentlich „wegen“ gemeint ist. So lautete vor ein paar Wochen eine Überschrift in einer Zeitschrift: „Die Frau, die Keanu Reeves für ein (…)-Interview warten ließ.“ Ruft man sich nun die Werbung über jene armen Zeitgenossen in Erinnerung, die meilenweit für eine bestimmte Zigarettenmarke liefen (also um diese zu ergattern), dann merkt man auch, was hier nicht stimmt: Die Frau muss Keanu nicht warten lassen, um ein Interview geben zu dürfen, sondern sie lässt ihn (vermutlich völlig freiwillig) warten, weil sie ein Interview gibt – also wegen eines Interviews. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

Auch die Aussage, ein Mann werde seine Frau für seine neue Liebe verlassen, mutet für meine Begriffe merkwürdig an. Es klingt so bedenklich nach „das tue ich nur für dich!“, dabei ist doch zu vermuten, dass das Handeln des Liebenden nicht völlig uneigennützig ist.
Vorausgesetzt also, es handelt sich nicht um einen reinen Gefallen, den der Betreffende seiner neuen Angebeteten tut, wäre hier „deinetwegen“ schon die etwas bessere Wahl, da es den Grund des Handelns signalisiert.
Ich persönlich (wäre ich die angesprochene Nachfolgerin) würde „Ich verlasse Maxima, um mit Dir zusammen sein zu können“ oder „…weil ich mit Dir zusammen sein möchte“, wesentlich lieber hören als ein „Ich verlasse Maxima für dich“.
Wer einen solch einschneidenden Schritt wagen will, der wäre gut beraten (auch im Hinblick auf das künftige Glück mit seiner möglicherweise sprachlich peniblen neuen Liebe), den Beiklang von „Na gut, ich tu’s, aber nur dir zuliebe“ der letzten Variante zu vermeiden – auch wenn es ihn ein paar Worte mehr kostet.