Montag, 13. Oktober 2008

Zufall oder Absicht?

Im September erschien in einer deutschen Wochenzeitung ein Interview mit dem ehemaligen Redakteur eines Nachrichtenmagazins. Dieser hat ein Buch veröffentlicht. Als er davon erzählt, wie es entstanden ist, sagt er unter anderem: „Ich habe xy für mein Buch getroffen.“

Über diesen Gebrauch des Wortes „für“ habe ich mich ja schon hinreichend ausgelassen (siehe meinen Beitrag vom 04. August), heute soll es daher um „treffen“ gehen. Das Verb „Treffen“ ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sich der Gebrauch bestimmter Wörter verändert, und wieder einmal scheint man die Ursache in der englischen Sprache zu finden:

Mit dem englischen Verb „to meet“ wird nicht nur das zufällige Begegnen beschrieben, sondern man benutzt es auch, wenn man jemanden kennenlernt, also für die allererste Begegnung. Findet ein geplantes Treffen statt, heißt es „to meet up with somebody“. Aber auch mit dem transitiven Verb „to meet somebody“ kann ein solches geplantes Treffen beschrieben werden, z.B. in Sätzen wie „I’m meeting him for lunch.“ Die Unterscheidung entsteht hier dann durch Formulierung und Kontext.
Im Deutschen wird mit „treffen“ in der transitiven Form korrekterweise eine zufällige Begegnung bezeichnet („Ich habe heute Morgen meine Nachbarin beim Einkaufen getroffen“). Soll ein absichtliches Zusammentreffen beschrieben werden, sagt man „sich mit jemandem treffen“, je nach Kontext auch „mit jemandem zusammentreffen“.

Im Gegensatz zum Englischen ist also schon durch das Wort an sich die Bedeutung vorgegeben. Ein herrlich praktischer Umstand eigentlich – und sehr schade, dass er oft nicht ausgenutzt wird.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…
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