Montag, 27. Februar 2012

Zu Ende gedacht?

Ein recht bekannter Partnersuchdienst richtet sich mit seinem Werbeslogan an „Akademiker und Singles mit Niveau“.

Eine grammatikalische Unklarheit – der nicht eindeutige Bezug von „mit Niveau“ - ermöglicht hier verschiedene Deutungen.

Ist „Akademiker und Singles mit Niveau“ zu verstehen als
Akademiker einerseits und Singles mit Niveau andererseits?

Oder handelt es sich vielmehr um Akademiker mit Niveau und Singles mit Niveau? Dies würde allerdings bedeuten, dass die angesprochenen Akademiker gar keine Singles sind und sich auf der Plattofrm gar nicht nach einer Partnerin/einem Partner, sondern vielmehr nach einem Seitensprung umsehen.

Wie man den Slogan auch deutet, es ist befremdlich.
Ist der Anbieter sprachlich so unsensibel, wie der unglücklich gewählte Slogan vermuten lässt? Oder traut er seinen Kunden trotz „Niveau“ und/oder Studium nicht zu, dass sie sich an dieser widersprüchlichen Formulierung stoßen?

Mittwoch, 25. Januar 2012

Gewusst was? Auflösung

Und hier nun die Auflösung des kleinen Rätsels:

Bei "Hähnichen" handelt es sich, wie die Mehrheit der Ratenden bereits vermutete, um C, einen kleinen Ort in Oberlausitz-Niederschlesien. Sibylle, Hans-G. und Volkert haben richtig geraten, Ralf bekommt einen Anerkennungspunkt für originelles Antworten.
Und allen sei empfohlen, sich diese hübsche Gegend einmal anzusehen. Neben originellen Ortsnamen (neben Hähnichen gibt es auch noch Rietschen, Schleife usw.) gibt es das wunderschöne Görtlitz zu entdecken, von dem aus man über eine Brücke nach Polen spazieren kann.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Gewusst was?

Liebe Leser und -innen,

zu Beginn eines neuen Jahres, aber mit ausreichend Abstand zu den Feiertagen, sind die meisten von uns hoffentlich geistig so richtig in Schwung, weshalb ich Euch und Ihnen im ersten Blogeintrag 2012 ein kleines Rätsel aufgeben möchte.

Es geht um das Wort "Hähnichen".

Wer oder was ist oder war "Hähnichen"?

Handelt es sich um

a) einen Volkshelden, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Hunsrück Aufstände der gegen die Unterdrückung aufbegehrenden Bevölkerung anführte und dort einen ähnlichen Berühmtheitsgrad erlangte wie später Andreas Hofer in Tirol?

b) einen mundartlichen Kosenamen für den Liebsten, abgeleitet vom Diminutiv des Wortes "Hahn" ("Gockelchen")?

oder

c) den Namen einer kleinen Ortschaft in der Region Oberlausitz-Niederschlesien, die von der ODEG (der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH) zwar angefahren wird, jedoch nur als "Bedarfshalt"?

Hinweis: Das allwissende Internet kennt die Antwort natürlich und sollte deshalb außen vor bleiben. Bitte wirklich einfach raten, so wie früher. :)

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Neuköllner Fundstücke, Folge 10



Grammatikalisch zweifelhaft, aber ansonsten ein schönes Motto für 2012.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Poesie im Alltag

Als unlängst wieder der Castor rollen sollte und es nur unter Schwierigkeiten tat, wurde dieser Umstand in den sonst sehr sachlichen Nachrichten meines (öffentlich-rechtlichen) Lieblingsradiosenders mit der wunderbaren Formulierung umschrieben, die Weiterfahrt habe sich "ein ums andere Mal" verzögert.

Ja, es gibt sie, die poetischen Momente, die einem der Alltag am liebsten gerade dort bereitet, wo man so gar nicht mit ihnen rechnet. Ich werde künftig ein bisschen stärker Augen und Ohren nach ihnen offen halten. Und um auch meinen Mitmenschen so schöne Momente zu bescheren, verwende ich nächste Woche jeden Tag mindestens einmal den Ausdruck "ein ums andere Mal".

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Neuköllner Fundstücke, Folge 9


Ich schrecke davor zurück, mich hier in kosmetische Behandlung zu begeben. Man kann so schnell verlorengehen.

Sonntag, 25. September 2011

Mehr davon!

Ich lese viel Zeitung, aber immer häufiger fehlt mir dabei etwas. Ursache und Übeltäter ist wieder einmal mein Erzfeind, der Anglizismus.
Und hierum geht es: Schreibt man im Englischen, zum Beispiel über einen Schriftsteller, „He lives in Scotland with his wife and three children“, so bezieht sich das Possessivpronomen „his“ in der Regel auf „wife“ und auf „three children“.

Überträgt nun jemand, der zwar die englischen Wörter versteht, sich aber mit alltäglichem englischem Sprachgebrauch nicht auskennt, dies ins Deutsche, liest man häufig: „Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Schottland“. Wer beim Lesen über die drei Kinder stolpert, wird sich unwillkürlich fragen, ob es sich wohl um wildfremde Kinder handelt. Denn: Wo im Englischen ein Pronomen völlig ausreicht, muss im Deutschen ein zweites her – zumal sich „seiner“ ja schon rein grammatikalisch nicht auf „Kindern“ beziehen kann.

Noch vertrackter wird es in folgendem Fall: Im Bericht eines ehemaligen Angehörigen der US-Army erzählt dieser von seiner Familie. In der deutschen Übersetzung heiß es an dieser Stelle: „Meine Eltern und Großeltern waren also ...“
Nein, nein, nein!, denkt man sich, sogar in Zeiten, in denen man gefühlt fast wöchentlich mit neuen Schreckensmeldungen zu Inzestfällen konfrontiert wird. Dass ein Großvater gleichzeitig der Vater sein kann, wissen wir mittlerweile, so gruselig uns dies auch erscheinen mag. Aber alles zugleich, Großvater und Vater, Großmutter und Mutter – das verbietet (zum Glück!) die Logik. Wir hätten an dieser Stelle also gern ein zweites „meine“, bitte.

Verdeutlichen kann man sich diesen Unterschied ganz einfach, indem man sich fragt, um wie viele Personen es denn geht:

meine Schwester und beste Freundin → eine Person
meine Schwester und meine beste Freundin → zwei Personen
die Managerin und Mutter → eine Person
die Managerin und die Mutter → zwei Personen

Und hat man im Falle der „three children“ beim Übersetzen doch einmal Zweifel und weiß nicht recht, zu wem diese denn nun gehören, kann man sich ganz leicht mit dem alltäglichen Handwerkszeugs eines jeden guten Übersetzers behelfen: der sorgfältigen Recherche.